History

4. Deutscher Orchesterwettbewerb 1996 - DOW

Austausch mit dem "Cottbuser Gitarrenensemble" - Rundfunkproduktion

Konzertreisen:

Ukraine - Krim 1998

Ukraine - Krim 1999


4. Deutscher Orchesterwettbewerb - Gera 1996

Vorankündigung durch den Deutschen Musikrat:

"Der 4 Deutsche Orchesterwettbewerb findet vom 12 bis 19. Mai 1996 in Gera statt. Erwartet werden ca 100 Orchester und Instrumentalensembles mit 6000 Musikerinnen und Musikern aus dem gesamten Bundesgebiet. Hinzu kommen Spieler aus dem europäischen Ausland, die an dem im Rahmen dieser Veranstaltung ausgerichteten ,,Europäischen Wettbewerb für Kammerorchester" teilnehmen.

Die Entscheidung in der Kategorie "Gitarrenensembles" beim 4. Deutschen Orchesterwettbewerb 1996 in Gera ist gefallen.

Das Gitarrenensemble "GuitArt" Heidelberg (Ltg. Helmut Oesterreich)

hat bei der Wertung 23,8 Punkte erreicht und ist von der Jury mit dem Prädikat "mit hervorragendem Erfolg teilgenommen" ausgezeichnet worden.

Der Deutsche Orchesterwettbewerb wurde 1984 ins Leben gerufen und bisher in Würzburg (1986), Berlin (1988) und Goslar (1992) durchgeführt. Er steht allen nicht professionellen Orchestern und Instrumentalensembles offen, die sich in Auswahlverfahren der einzelnen Bundesländer für den Deutschen Orchesterwettbewerb qualifizieren. Sein Ziel ist es, die musikalische Leistung der Orchester deutlich zu machen, ein Forum zum Vergleich und zur Anregung zu bieten und auf die hohe Qualität des Laienmusizierens insgesamt in Deutschland hinzuweisen."

 

Wettbewerbsrepertoire:

Moritz, Landgraf von Hessen (1572-1637) Intrada
Emmanuel Adriaenssen (15??-1604) Fantasia seconda
William Byrd (1543-1623) Coranto
Edvard Grieg (1843-1907) Ases Tod
  Anitras Tanz
Steve Reich (*1936) Electric Counterpoint - III. mouvem.

 

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Austausch der Preisträger - Gitarrenensembles

des 4. Deutschen Orchesterwettbewerbs in Gera ’96

"GuitArt" Heidelberg - Cottbuser Gitarrenensemble

Begonnen hatte es damals am Abend im Anschluß an das Preisträgerkonzert und die Preisverleihung, als die beiden Leiter der Ensembles, Hans Hütten und Helmut Oesterreich bei einem Bier zusammensaßen und miteinander ins Gespräch kamen. Es dauerte nicht lange bis die Idee zu gemeinsamen Aktivitäten geboren wurde - und es blieb nicht nur bei dieser Idee, sondern im vergangenen Frühsommer wurde daraus ein konkretes Austauschprojekt. Auf Einladung der Cottbuser reiste das Heidelberger Ensemble Ende Mai in den Osten der Budesrepublik. Untergebracht waren die 14 Spielerinnen und Spieler privat bei den gastfreundlichen und offenen Mitgliedern des dortigen Ensembles. Sofort entstand ein überaus herzliches Verhältnis untereinander und es wurden richtige Freundschaften geschlossen. Nach einem intensiven Probentag gab es dann ein:

Gemeinsames Konzert der Bundespreisträger - Gitarrenensembles in Cottbus, so die Überschrift der am darauffolgenden Tag erschienenen Pressebesprechung. Der Wortlaut:

Beeindruckend war der Auftakt mit der von beiden Ensembles gemeinsam musizierten , doppelchörigen "Sonata pian e forte" von Giovanni Gabrieli (Bearb: H. Oesterreich). Durch den Einsatz von Oktav - und Bassgitarren entstand ein breitgefächertes Klangregister. Der Vortrag überzeugte als authentische Interpretationsmöglichkeit. Im weiteren Verlauf stellten sich die beiden Ensembles abwechselnd mit eigenen Beiträgen vor. Dabei ist die Bearbeitung des Menuetts (aus dem Streichquartett F-Dur, op 8) von Haydn in der Bearbeitung von Hans Hütten für Flöte und Gitarrenensemble besonders hervorzuheben. Höhepunkt des Konzertes war die wiederum gemeinsam aufgeführte Komposition "Alambic" des Heidelbergers Peter Michael Braun. Die grafische Partitur wurde durch Einbeziehung auch theatralischer Elemente für Publikum und Interpreten zu einem eindrucksvollen Erlebnis.

Abgesehen vom gemeinsamen Musizieren fand sich für die Spieler auch die Möglichkeit zu Kontakten und Freundschaften. Eine gemeinsame Kahnfahrt durch das Naturschutzgebiet im Spreewald rundete das in allen Belangen gelungene Projekt ab.

Gerade diese Kahnfahrt war bei wunderbarem Wetter ein ganz besonders schönes Erlebnis gewesen: mehrere Stunden lang wurden wir alle durch die weitverzweigten und waldgesäumten Spreearme gestakt. Natürlich wurde auch eine Gitarre herumgereicht und jeder spielte etwas.

Der Gegenbesuch in Heidelberg fand dann Mitte Juni statt. Auch hier gaben die beiden Ensembles nach ausgiebiger Probenarbeit wie oben bereits angekündigt ein Konzert und am gleichen Tag wurden Teile des Repertoires in einer Produktion des Süddeutschen Rundfunks aufgenommen. Für die meisten war dies die erste und natürlich sehr spannende Rundfunkerfahrung. (Die Aufnahmen gelangen, Sendetermin war der 28.9., SDR 4). Eine obligatorische Besichtigung des Heidelberger Schloßes und ein Grillfest am Abend bildeten den Abschluß der ganzen Unternehmung, die allen so viel Spaß, musikalische und menschliche Bereicherung brachte, daß man vereinbarte auch weiterhin Kontakt zu halten und wiedereinmal zusammen zu musizieren.

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Das Ensemble "GuitArt" beim 4. Internationalen Gitarrenfestival '98 auf der Krim

eine faszinierende Konzertreise

Vorausgegangen war dieser Reise eine dreimonatige Vorbereitung mit mehreren langen Probensamstagen und einem Jugendherbergsaufenthalt. Am 23. Mai war es dann schließlich soweit, eine Lufthansamaschine brachte uns in nur zwei Stunden nach Kiew, der ukrainischen Hauptstadt von wo aus es mit einer 18 - stündigen Bahnfahrt nach Simferopol auf der Krim weiterging. Am Ziel erwarteten uns bereits die beiden Gitarristen Gennadi Piltsch und Viktor Wichrow. Sie sind die Organisatoren des 4. Internationalen Gitarrenfestivals der Krim. Sie teilten uns mit, daß wir nicht weniger als viermal in verschiedenen Konzerten des Festivals spielen sollten. Dies war natürlich sehr ehrenvoll für uns, zeigt aber auch, mit welch schwierigen finanziellen Bedingungen das Festival zu kämpfen hatte. Alles, angefangen von der Werbung und Plakatierung über die Programmhefte bis hin zur Raummiete mußte durch den Eintritt (umgerechnet DM 2.- pro Person) bezahlt werden. Weitere Interpreten oder gar ausländische Berühmtheiten konnten nicht eingeladen werden, und so kam es wohl, daß wir, die wir ohne Honorar spielten, einen Hauptteil des gesamten Festivals bestreiten konnten.

 

v.l.n.r: H. Oesterreich - Gennadij Piltsch - Victor Vichrow

In der Regel teilten wir uns das Programm mit Beiträgen des Duos Piltsch/Wichrow und mit Viktor Wichrow als Solisten. Letzterer verfügt über eine bemerkenswerte Virtuosität und hat in seinem Repertoire die schwierigsten Werke der Sololiteratur. (u.a. Grand Solo, Grande ouverture, Bachs Chaconne, Tarregas Gran Jota, Invocation et danse von Rodrigo) Er ist ein Gitarrist, dem man als erst 24 - jährigen wünscht, er könne auch außerhalb seines Landes Beachtung finden. Die Duobeiträge litten ein wenig unter dem Ungleichgewicht der beiden Spieler - was jedoch das durchweg sehr zahlreich anwesende Publikum nicht daran hinderte, die beiden stürmisch zu feiern.

Im Eröffnungskonzert, das von mehreren TV - Stationen mitgeschnitten wurde, bestritt GuitArt die erste Hälfte des Abends, zunächst mit Alter Musik: einer Intrada von Moritz Landgraf von Hessen, Gabrielis Sonata pian e forte und drei Stücken aus Purcells Oper The Fairy Queen. Mit in diesen Teil paßte auch wunderbar eine äußerst gelungene Eigenkomposition eines Mitglieds des Ensembles, eine imitatorisch angelegte Fughetta des 15 - jährigen Jonas Rist. Den Kontrast dazu bildete dann Edition von Werner Heider, eine grafisch notierte Komposition mit Zuspielband, die sehr viel Aufsehen erregte. Anschließend hatte das "Heidelberger Gitarrenquartett" (Nadine Bauer, Christian Schlipper, Martin Hilpp, Martin Feller) mit Boccherinis Introduktion und Fandango einen derartigen Erfolg, daß es in jedem weiteren Konzert wieder gewünscht wurde. Anitras Tanz von Grieg, der Tanz des Müllers von de Falla und der Popsong Monday Monday rundeten unser Programm ab. Ausschnitte aus den Fernsehaufzeichnungen wurden währen der Dauer des gesamten Festivals täglich in den Nachrichtensendungen des Krim - Fernsehens gezeigt.

Kammermusikalisch war das zweite Konzert konzipiert. Zunächst gab es einen Beitrag Gitarre und Sopran und ein Gitarrenduo. Den zweiten Teil bestritt komplett das "Heidelberger Gitarrenquartett" sowie die Solisten von "GuitArt", Antje Asendorf und Martin Hilpp.

Das dritte Konzert fand in einer Kirche in dem geschichtsträchtigen Jalta statt. Trotz des Auftrittes blieb uns genügend Zeit zur Besichtigung des Zarenpalastes, in dem 1945 die berühmte Konferenz über die Neuordnung der Staatsgrenzen in Europa zwischen Stalin, Roosevelt und Churchill stattgefunden hatte.

Das Festival - Abschlußkonzert bestand schließlich aus den besten Beiträgen der vorangegangenen Programme. Unserer Zugabe, eine Bearbeitung der Titelmelodie der Sendung mit der Maus wurde vom Publikum mit überwältigendem Applaus gefeiert.

Ein weiteres Mal spielten wir in dem in seiner Art einzigen Musikgymnasium der Krim, im Musical College von Simferopol. Diese Schule ist wohl am ehesten vergleichbar mit den Berufsfachschulen in Bayern. Der Instrumentalunterricht ist hier einer der wichtigsten Bestandteile des Stundenplanes, andere Fächer (Mathematik, Chemie usw.) werden nur schmalspurig unterrichtet. Ich hatte die Gelegenheit einem Halbjahresvorspiel der Gitarrenklasse zuhören, und war überrascht von dem hohen Niveau der Ausbildung.

Neben den musikalischen Aktivitäten wurde uns eine Menge an Besichtigungen und Exkursionen geboten. So erfuhren wir beim Ausflug nach Sewastopol, der Stadt, die erst seit kurzer Zeit überhaupt öffentlich zugänglich ist, da sie vorher als Stützpunkt der sowjetischen Schwarzmeerflotte Sperrgebiet war, viel über die Geschichte von Katharina der Großen und vom Krimkrieg zwischen der Türkei, England und Rußland.

Im ebenfalls ehemaligen Sperrgebiet Bala Klava besichtigten wir eine sehr versteckt liegende Bucht, die in der Vergangenheit bereits den Genuesern als Handels- und Flottenstützpunkt gedient hatte - alte Festungsruinen zeugen noch davon - und wo ein ganzer Berg unterhöhlt ist, in welchem kürzlich noch Atom - U - Boote der russischen Marine versteckt lagen. Weitere Höhepunkte waren eine Fahrt zu der Felshöhlenstadt Eski Kermen oder der exotisch - orientalische Palast der Türkischen Sultane Bachtschisarai.

Vieles, beispielsweise der große botanische Garten in der Nähe von Jalta, oder auch der phantastische, legendäre Sekt verdienten noch der Erwähnung. Ich möchte abschließend aber noch auf unser Wohnen in privaten Familien eingehen. Diese Art der Unterbringung erlaubte es uns direkt am Alltagsleben der Menschen teilzuhaben, sie näher kennenzulernen, sich mit ihnen anzufreunden und so viel mehr Wirklichkeit vom Lande zu erfahren, als dies sonst möglich gewesen wäre. Die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Leute, die teils unter enorm schwierigen ökonomischen Bedingungen leben war für uns alle eine sehr eindrucksvolle Erfahrung.

Alles in Allem war es also sowohl im musikalischen als auch im kulturellen und im zwischenmenschlichen Bereich eine ganz außergewöhnliche Reise, die sicher noch lange in der Erinnerung haften bleiben wird. Daher möchten wir nochmals unseren Dank an den Deutschen Musikrat richten, der mit der Unterstützung solcher Projekte neben der musikalischen Begegnung auch einen unschätzbaren Beitrag zum Abbau von Vorurteilen, zur Förderung von Toleranz und Verständnis leistet.

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Ensemble "GuitArt" - auch 1999 wieder in der Ukraine

"Jugendkulturaustausch at it`s best"

Wie schon im vergangenen Jahr konnte das "Ensemble GuitArt", das von Helmut Oesterreich gegründete und geleitete Gitarrenensemble der Musik - und Singschule Heidelberg, auch in diesem Jahr wieder eine Konzertreise nach Simferopol, der Distrikthauptstadt der Halbinsel Krim unternehmen. Unterstützt wurden die 24 jungen Musiker dankenswerterweise wieder durch den Deutschen Musikrat, der einen wesentlichen Anteil der Reisekosten übernahm.

Ziel dieser Reise war es, die beim vorhergegangenen Besuch geknüpften Kontakte zu intensivieren und die damals angedachte Partnerschaft zwischen der Tschaikowski - Musikfachschule und der Musikschule Heidelberg zu konkretisieren.

Diese Fachschule ist eine staatliche Institution, die es musikalisch begabten Jugendlichen ermöglicht, ein Fachabitur mit dem Schwerpunkt Musik zu erlangen. Der Musikunterricht, bestehend aus instrumentalem Fachunterricht, Ensemble,- Chor- Orchester, Theorie usw. nimmt dabei den größten Anteil am Lehrplan ein. Daneben wird aber auch Mathematik, Sprachen und die anderen abitursrelevanten Fächer unterrichtet. Ziel ist es, die Schüler auf ein Studium für Musikerberufe vorzubereiten.

Ein weiterer Ausbildungszweig ist ein Studiengang zum staatlich geprüften Musikschullehrer. Orchestermusik oder Künstlerische Ausbildung wird nicht angeboten, dies muß in einer der drei Musikhochschulen des Landes studiert werden.

Während der Zeit unseres Aufenthaltes wurde uns gestattet, bei den gerade laufenden Examensvorspielen zuzuhören, und so konnten wir uns von dem vorzüglichen Niveau der Studenten überzeugen. Überhaupt lernten wir zahlreiche sehr gute Musiker kennen. Leider führt bei manchen von ihnen die katastrophale finanzielle Situation des Landes und demzufolge eine eklatante Perspektivlosigkeit zu einer recht resignierten Haltung. Mangelnde Auftrittsmöglichkeiten, beschämend geringe Konzerthonorare, Schüler, die auch kaum etwas für ihren Unterricht zahlen können sind der Grund dafür. Dabei geht es den an der Fachschule angestellten Lehrkräften noch gut, da sie eine feste Arbeitsstelle besitzen, auch wenn manchmal monatelang kein Gehalt ausgezahlt wird.

Andererseits herrscht aber auch ein enormer Enthusiasmus für Musik. Da wenig kulturelle Aktivitäten geboten werden, sind die Konzertsäle bei unseren Auftritten immer bis auf den letzten Platz ausverkauft gewesen, teils standen etliche Zuhörer. Das Buhlen um jeden einzelnen Konzertbesucher, wie es hierzulande doch recht verbreitet ist, scheint dort unnötig und unbekannt zu sein.

 

Das Ensemble

Das Ensemble "GuitArt" bestand diesmal aus 19 Gitarristen, darunter als aktiver Mitspieler der stellvertretende Direktor der Heidelberger Musikschule, Herr Kersten Müller, sowie dem Ensembleleiter Helmut Oesterreich und der Vorsitzenden des Freundeskreises der Musikschule, Frau Rita Glass. Auf ihre Initiative hin war das Partnerschaftsprojekt im vergangenen Jahr entstanden. Außerdem waren der Flötendozent Wolfgang Wendel und zwei seiner Schüler mitgekommen, um das Ensemble in einigen Arrangements zu verstärken und einen weiteren klangfarblichen Aspekt einzubringen.

Abgesehen vom An- und Abreisetag gab es täglich ein Konzert, insgesamt also fünfmal. Darüber hinaus bestritt Wolfgang Wendel einen vielbeachteten Workshop über "Neue Musik für Flöte", bei dem er ausgewählte Werke (Yun, Stahmer, Aitken, Fukushima u.a.) vorspielte und hinsichtlich ihrer Spieltechnik erläuterte. Das Interesse und Informationsbedürfnis für die Neue Musik war außerordentlich groß, offensichtlich besteht hier ein Nachholbedarf, denn es ist sehr schwierig für die Ukrainischen Musiker Notenmaterial neuer Werke zu bekommen.

Das Repertoire von "GuitArt" bestand aus den folgenden Stücken, es wurde in einigen Konzerten durch solistische Beiträge ergänzt.

Michael Prätorius 3 Tänze: Ballett – La Rosette - Gaillarde
Purcell, Henry 3 Stücke: Symphonie While The Swans Come Foreward – If Love’s A Sweet Passion – Dance For The Fairies
Rist, Jonas Fughetta
Demillac, Yvon Hommage A Roger Généraux
Plankenhorn, John Patrick It’s Time To Get Our Own Smell (für 4-stimmiges Gitarrenensemble und 2 Solisten)
Humperdinck, Engelbert Abendlied (aus: Hänsel und Gretel)
Debussy, Claude Golliwogg’s Cakewalk
Bernstein, Leonard America (aus: West Side Story)
Boehm, Roland Fiesta
Mancini, Henry Pink Panther Theme
Lennon/McCartney Eleanor Rigby

 

Konzerte

Schülerkonzert:

Am Vormittag des zweiten Tages spielten wir in der Schule Nr 3, dem Gymnasium, das im Vorjahr unser Gastgeber gewesen war. In der Aula hatte sich bereits eine "Fangemeinde" eingefunden, die sich an das Ensemble erinnerte. Zahlreiche bekannte Gesichter waren zu sehen und die Publikumsresonanz war bereits bei den ersten Tönen überschwenglich. Auch die Schuldirektorin ließ es sich nicht nehmen uns zu begrüßen und dem Konzert zuzuhören.

Öffentliches Konzert in der Gemäldegalerie, Aufnahmen mit dem Ukrainischen Staatsfernsehen. Ein sehr repräsentatives Konzert fand anderntags in der städtischen Gemäldegalerie, einem optisch und akustisch wunderbaren Raum statt.

Vormittags probten wir nochmals in der Musikfachschule und bekamen Einblick in den Alltag dieser Institution. Offenbar ist der Mangel an Überäumen nicht nur in unseren Breiten ein Problem. In den überakustischen Gängen des Gebäudes und im Treppenhaus übten zahlreiche Studenten, jeder mit etwa 2 - 3 Metern Abstand vom Nachbarn, wild durcheinander. Allein die 5 Akkordeonisten hätten einem das Fürchten lehren können, aber dazu kamen Tuba- und Trompetenklänge, die einsame Geigerin in ihrer Ecke hat sich vielleicht selbst nichtmehr gehört. Kurz, das den ganzen Tag andauernde Getöse, das wir noch durch die akustisch gedämpfte Doppeltür unseres Probenraumes deutlich vernehmen konnten, war unbeschreiblich. Man muß sich wundern, daß unter solchen Bedingungen so gute Musiker ausgebildet werden können.

Zu Fuß ging es nachmittags zum Auftrittsort, wo uns bereits ein Aufnahmeteam des staatlichen Ukrainischen Fernsehens erwartete. Ein Interview und der Mitschnitt unseres Konzertes wurde am darauffolgenden Samstag in den Nachmittagsstunden ausgestrahlt.

Das Programm hatten wir uns mit dem Frauenchor der Musikfachschule unter der Leitung der temperamentvollen Elena Prokopez geteilt. Das überaus professionelle Niveau, die Homogenität, Intonationssicherheit und die differenzierte musikalische Gestaltung dieses Ensembles begeisterte uns uneingeschränkt. Gesungen wurde Mozart, Haydn, Tschaikowsky, eine gemäßigt moderne Komposition und Gershwins "Summertime" mit einer erstklassigen Solistin.

Den zweiten Teil bestritten wir dann mit Renaissancemusik, Debussy, Bernstein, Beatles u.s.w. Vor dem letzten Stück, der etwas reißerischen Fiesta von Roland Boehm, dankten wir unseren Gastgebern für die überaus freundliche Aufnahme. Die schließlich erklatschte Zugabe, eine Bearbeitung von Mancini's "Pink Panther Theme" riß das Publikum zu Begeisterungsstürmen und standing ovations hin.

Feodosia, KunstgalerieDie Stadt Feodosia liegt etwa 100 km östlich von Simferopol an der Schwarzmeerküste. Das Konzert in der dortigen Kunstgalerie, die eine sehr eindrucksvolle Sammlung von großformatigen Werken, allesamt Meeresmotive des Ukrainischen Malers I.K. Aiwasowckij enthielt, geriet zu einem weiteren Höhepunkt, den wir anschließend gemeinsam mit dem Chor mit einer Kostprobe des berühmten Krimsektes, spontaner Straßenmusik und mit ausgelassenem Tanz in einem nahen Café feierten. Tschaikowsky - MusikfachschuleDas Programm dieses Konzertes bestritt "GuitArt" alleine, so daß Raum für die solistischen Beiträge von Marjolijn Storm (Johansson: La Folia Folio) und Gerrit Hoyer (Albéniz: Asturias) blieb. Das Fachpublikum, das sich im wesentlichen aus Studenten und Lehrern der Musikfachschule zusammensetzte, brachte uns auch hier wieder enorme Sympathien entgegen. Eröffnungskonzert des Kulturprogramms im Internationalen Feriencamp "Artek"

Das milde Klima und die herrliche Landschaft hatten während der Zeit der UDSSR die Krim zu dem Ferien- und Erholungsparadies der gesamten sowjetischen Welt werden lassen. Hier hatten die Privilegierten und Mächtigen ihre Datschen, hierher durften besonders verdiente Kommunisten in Erholung und zum Urlaub kommen.

Das Internationale Feriencamp Artek ist eine Erholungseinrichtung für ca. 4500 Kinder, wunderbar an den hügeligen, grün bewachsenen Ufern des Schwarzen Meeres gelegen. Das Camp besteht aus zahlreichen kleinen Dörfern, die Unterkünfte sind überschaubar, weder die berüchtigten Plattenbauten noch monumentale Wohnsilos sind vorhanden. Hier, in einem zentralen klassizistischen Repräsentationsbau, hatten wir die Ehre, das Eröffnungskonzert im Kulturprogramm der diesjährigen Feriensaison geben zu können.

Die Atmosphäre in dem mit jugendlichen randvoll besetzten Saal war unbeschreiblich. Das Ensemble wurde bereits beim Auftritt mit Beifallsstürmen begrüßt, wie man das sonst nur von Popkonzerten her kennt. Eine auf das Alter der Zuhörer abgestimmte Moderation vermittelte unsere Renaissancemusik als wären es Songs aus der Hitparade, und das Stück des Australiers John Patrick Plankenhorn, das inspiriert wurde von der Musik Frank Zappas, und bei dem die beiden Solisten (Martin Hilpp, Christoph Nikendei) ein Duo mit elektrisch verstärkten Gitarren über einem rockigen Ensemblesatz spielten, brachte den Saal vollends zum Kochen. Diese Stimmung hielt, während wir Golliwogg`s Cakewalk, America, Eleanor Rigby und Fiesta spielten unvermindert an, sie steigerte sich aber nochmals, als Irina, die Solistin des Chores, bei unserem Schlußstück Pink Panther mit einstieg.

Mit diesem Höhepunkt gelangte der musikalische Teil unserer Reise zu einem erfolgreichen Abschluß, wie wir ihn uns nicht besser hätten vorstellen können.

Besichtigungen und Ausflugsfahrten

Am Abreisetag schließlich klärten wir mit den Direktoren der Musikfachschule, daß wir im kommenden Jahr 2000 eine Gegeneinladung an den Chor aussprechen möchten, diesen bei uns in Heidelberg beherbergen wollen und mit ihm zusammen und einer Gruppe von Gitarristen aus St. Petersburg einen Auftritt in Hannover bei der EXPO haben werden. Die Freude bei den Ukrainischen Gastgebern war riesig, besonders Elena Prokopez und ihr Lebensgefährte, der Chirurg und Gitarrenliebhaber Sergeij Rabotjakov (ein echter "aficionado", er hatte bei dem Konzert in Feodosia auch einige kleinere Stücke von Koshkin, Dyens und Tarrega gespielt) waren überglücklich. Hatten diese beiden doch auch den Hauptteil der organisatorischen Arbeit für uns vor Ort mit riesigem Engagement erledigt.

Allein unsere Unterbringung, privat, bei den durchweg enorm freundlichen Gastfamilien dürfte einige Mühe gekostet haben, ganz zu schweigen von der Vorbereitung der Konzerte, der Planung der gemeinsamen Aktivitäten, und und und...

Abschließend trafen sich alle nochmals zu einem farewell - meeting, bei dem Wolfgang Wendel und mir je ein "Ehrendiplom" der Musikfachschule für unsere musikalischen Aktivitäten überreicht wurde. Jeder Spieler erhielt ein Plakat, das unsere Konzerte in kyrillischen Lettern in der ganzen Stadt angekündigt hatte. Und dann: Abschiedsszenen, -Heimflug,- .

 

Schade, die Woche war viel zu rasch vorübergegangen, aber sie wird sicher um so länger in Gedächtnis haften bleiben. Vielleicht erwachsen aus einigen der nun bereits zweijährigen Bekanntschaften ja auch längerfristige Freundschaften. Wir jedenfalls freuen uns bereits auf den Gegenbesuch im kommenden Jahr.

 

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e-mail: Helmut Oesterreich

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